Foto: Angelo Tomasello
Ein wenig Träumen war vor dem Anpfiff erlaubt! Am Ende sorgten die nackten Zahlen für die harte Realität im Sport. Die Westfalenliga-Fußballerinnen des SV Oesbern kassierten im letzten Punktspiel des Jahres 2024 eine deftige Niederlage. Die „Habichte“ kehrten mit einer 0:6 (0:3)-Pleite im Gepäck vom Gastspiel beim Titelkandidaten FC Schalke 04 in die Hönnestadt zurück. Trotzdem gab es in der über 200 Zuschauer großen Fangruppe des SV Oesbern – die ihre Mädels auf Schalke unterstützten – keine langen Gesichter.
„Sicherlich war Schalke die bessere Mannschaft. Doch die Niederlage ist mindestens zwei Tore zu hoch ausgefallen. Wir hätten auch ein Tor verdient gehabt“, mochte SVÖ-Trainerin Tanja Schröder ihren Spielerinnen überhaupt nicht gram sein. „Die Mädels haben alles gegeben“, so Schröder. Auch SVÖ-Präsident Frank Weingarten sah seine Damen unter Wert geschlagen. „Die Niederlage ist mindestens zwei Tore zu hoch ausgefallen“, so der Oesberner Vereinsboss. Wobei der sportliche Teil am Samstag zunächst Nebensache war. Denn zunächst beeindruckten erst einmal die Bilder, die sich um 12:30 Uhr an der Bushaltestelle am einstigen Schulzentrum am Bieberberg abspielten.
Dort herrschte ein Andrang wie früher am Ende eines Schultages, wenn die Schüler auf den Heimtransport warteten. Doch diesmal waren es Vereinsmitglieder und Freunde des Klubs, die sich auf den Weg nach Gelsenkirchen machten. „Es sind ja nicht nur die Busse, die nach Gelsenkirchen fahren. Es haben sich auch noch unheimlich viele Personen gemeldet, die mit dem eigenen PKW auf Schalke fahren wollten.“ Und in der Tat hätte der SVÖ am gestrigen Nachmittag seine Jahreshauptversammlung bequem am Berger Feld abhalten können – beschlussfähig wäre man auf jeden Fall gewesen.
Die Mannschaft des SV Oesbern bedankte sich nach dem Abpfiff bei den vielen mitgereisten Fans. Foto: Angelo Tomasello
„Das ist schon beeindruckend. Schalke spielt ja sonst praktisch unter sich“, war ein zuschauendes Ehepaar sichtlich beeindruckt von dem Oesberner Herzblut, das auf dem Kunstrasenplatz Nr. 6 unweit der Arena deutlich zu jeder Zeit zu spüren war. Es waren halt zwei Seiten – auf der einen Seite der Klub vom Habicht, dem man die Begeisterung für den Frauenfußball abnahm und für den jede Partie in der Westfalenliga ein Feiertag ist. Auf der anderen Seite das Schalker Team, das vor gut drei Jahren – ähnlich wie der Rivale aus Dortmund – mit dem Frauenfußball anfing und letztlich nur einen Auftrag zu erfüllen hat: Dass in absehbarer Zeit der FC Schalke 04 in der Bundesliga vertreten sein soll.
Die Geschichte der Partie ist relativ schnell erzählt. Der Sekundenzeiger hatte gerade seine dritte Runde begonnen – da zappelte die Kunststoffkugel bereits im Netz des Oesberner Tores. Mit einem sehr schnell vorgetragenen Angriff kam Schalkes Michelle Biskup zum Torabschluss und ließ Oesberns Lisa Schleimer im Tor keine Chance. Shari Noffke (29.) und Jennifer Moes (30.) nutzten zwei Unachtsamkeiten zum 2:0 und 3:0. Damit waren alle Fragen geklärt. Wobei aber nicht unterschlagen werden soll, dass sich die heimischen Fußballerinnen bemühten, im Spiel zu bleiben. Und so kam man auch zu der ein oder anderen Chance. Doch der Oesberner Anhang konnte den Torjubel für Johanna Sellmann, Atha Skoupra und Co. an diesem Tag nicht zelebrieren. Ein SVÖ-Treffer auf Schalke hätte den Oesberner Feiertag noch versüßt.




